#42 Steffi Birk von Pferd erklärt über die Zusammenhänge von Körper und Psyche

In dieser Folge sprechen wir mit Steffi Birk über ein Thema, das recht komplex und doch so logisch ist: die Verbindung zwischen Körper und Psyche. Steffi bringt viel Erfahrung mit: als Pferdekommunikationswissenschaftlerin, jahrelanger Arbeit als Verhaltenstrainerin, Pferdebesitzerin aber auch aus dem Bereich Osteopathie und Faszientraining. Ihr ist klar geworden: Verhaltensprobleme und körperliche Auffälligkeiten lassen sich selten trennen. Häufig hängt beides zusammen und genau das ist oft der Schlüssel zur Veränderung.

Wenn Verhalten körperliche Ursachen hat

Ob Stillstand beim Verladetraining, die Verweigerung anzutraben, Bocken unterm Reiter oder plötzliche Probleme beim Hufe geben all das kann körperliche Ursachen haben.

Steffi erzählt in der Folge auch von ihrem eigenen Pferd Komet, der sie auf diesem Weg sehr geprägt hat. Davon erzählt sie auch in unserem Adventskalender. Erst hat er sie zu ihrem Studium und zum Verhaltenstraining gebracht, später zu Ausbildung zur Osteopathin und Faszientherapeutin. Viele seiner Reaktionen betrachtete sie damals nur auf der Verhaltensebene. Heute weiß sie: Ein Teil dieses Verhaltens war Ausdruck von körperlichem Unwohlsein. Rückblickend hat gerade Komet sie gelehrt, wie wichtig es ist, Verhalten nicht isoliert zu betrachten, sondern immer auch den Körper und das Nervensystem mitzudenken.

Steffis Tipps

Was also tun? Steffi gibt viele konkrete Tipps, die sich auch ohne Spezialwissen in den Alltag einbauen lassen. Doch zu Beginn: Beobachte dein Pferd! Welche kleinen Veränderungen im Alltag fallen dir auf? Und was sind eigentlich seine Bedürfnisse? Außerdem bringt sie folgende Ideen mit:

  • Abwechslungsreiche Reize schaffen, z. B. klettern im Gelände, um den Körper und das Gehirn gemeinsam herauszufordern
  • Balanceübungen auf instabilem Untergrund – Handtücher, Balance Pads oder eine einfache Unebenheit können reichen, um neue Reize zu setzen
  • Faszientools wie Igelbälle: sanft über den Körper geführt, regen sie das Nervensystem an und fördern die Körperwahrnehmung
  • Den individuellen Typ beachten: Ist das Pferd eher mobil oder eher stabil? Daraus ergeben sich unterschiedliche Trainingsimpulse

Diese scheinbar kleinen Impulse fördern nicht nur Beweglichkeit – sie stabilisieren auch psychisch, weil sie dem Körper Sicherheit geben.

Körperarbeit beginnt bei uns selbst

Was wir nicht vergessen dürfen: Auch unser eigener Zustand spielt eine Rolle.
Steffi empfiehlt, sich vor jeder Einheit selbst kurz zu spüren: Wie atme ich gerade? Bin ich ruhig? Denn Anspannung überträgt sich. Nicht bewusst, aber spürbar, erst recht für das Pferd.

Eine ihrer Lieblingsmethoden ist der Zustand des sogenannten Neutral Null (nach Sharon Wilsie): Ein Zustand, in dem Körper und Geist zur Ruhe kommen. Pferde suchen diesen Zustand ständig – wir Menschen haben es oft verlernt.

Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie Körper und Psyche miteinander zusammenhängen, bei deinem Pferd und bei dir, hör unbedingt in diese Folge rein!

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#40 Jessica Jost über die Reitpädagogik

In dieser Folge sprechen Carina und ich mit Jessica Jost, die Reitpädagogik für Kinder ab drei Jahren anbietet. Was Reitpädagogik ist und wie die Kinder von dieser Art der Begegnung mit Pferden profitieren, erzählt sie uns im Interview.

Was ist Reitpädagogik?

Reitpädagogik ist kein Reitunterricht, keine Therapie und auch keine Vorbereitung auf sportliche Leistung. Sie ist eine spielerische Form, wie Kinder mit dem Pferd in Kontakt kommen – nicht mit dem Ziel zu reiten, sondern eine schöne Zeit mit dem Pferd zu haben, eine Beziehung aufzubauen und zu lernen, wie die Kinder das Pferd verstehen.

Dabei geht es beispielsweise um Themen wie:
Wie fühlt es sich an, mit einem Pferd Zeit zu verbringen?
Was braucht ein Pferd?
Wie kann ich Verantwortung übernehmen – altersgerecht, kindgerecht, pferdegerecht?

Jessica begleitet Kinder ab dem Kindergartenalter in kleinen Gruppen. Sie lernen nicht nur auf dem Pferd, sondern auch im Stall, beim Füttern, bei der Pflege auf eine spielerische Art und Weise.

Für wen ist Reitpädagogik geeignet?

In Jessicas Gruppen sind Kinder, die einfach Zeit mit Pferden verbringen möchten – genauso wie Kinder, die im Alltag mit Herausforderungen zu kämpfen haben. Zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, Unsicherheit oder soziale Zurückhaltung.
Durch die ruhige Atmosphäre, die Beziehung zum Tier und Jessicas Unterstüzung können gerade diese Kinder besonders profitieren. Im Grunde ist die Reitpädagogik für jedes Kind geeignet – Jessicas Wunsch: Jedes Kind hat die Möglichkeit, sich in diesem Rahmen auszuprobieren.

Wichtig: Jessica grenzt sich klar von Reittherapie ab. Wer gezielte Förderung braucht – z. B. bei körperlichen oder psychischen Einschränkungen – ist im therapeutischen Rahmen besser aufgehoben. Aber die Reitpädagogik kann ein wertvoller Raum sein, in dem Kinder wachsen dürfen – ohne Druck, aber mit Struktur.

Kinderschutz – ein Thema, das dazugehört

Jessica spricht auch offen über ein Thema, an das man im ersten Moment eher nicht denkt: den Kinderschutz. In ihrer Arbeit achtet sie bewusst darauf, Grenzen zu wahren – sowohl die der Kinder als auch die der Pferde. Ein achtsames Miteinander ist für sie Grundlage jeder Stunde um den geschützten Raum der Reitpädagogik zu wahren.

Wenn du wissen möchtest, wie Reitpädagogik konkret aussehen kann – und was sie bewirken kann – hör gern in die Folge rein!

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Die erwähnte Folge zum Thema Kinder und Pferde

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#39 Update: Muss ich mein Pferd in Rente schicken?

In dieser Folge sprechen Carina und ich noch einmal über ein Thema, das für viele Pferdebesitzer:innen irgendwann aufkommt – und oft mehr Fragen aufwirft als Antworten:
Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Pferd in Rente zu schicken?

Vor über einem Jahr haben wir schon einmal darüber gesprochen – und wie wir in dieser Folge feststellen: Vieles hat sich seitdem verändert.

Ein junges Pferd in Rente schicken?

Carina erzählt sehr offen, dass sie lange mit sich gerungen hat. Ihr Pferd Haukur zeigt schon seit Längerem eine sehr geringe Bewegungsmotivation – nicht nur unter dem Sattel, sondern auch im Freilauf. Kein klarer Befund, kein eindeutiger Auslöser. Aber eben auch kein echtes „Ja“ zum Reiten.

Trotz vieler Versuche – mit positiven Reizen, Wippen, Gelände, kleinen Einheiten – blieb der langfristige Fortschritt aus. Zwar gab es Fortschritte – aber irgendwann wollte Haukur gar nicht mehr und Carina war klar: Es kostet beide mehr, als es bringt. So hat sie ihren Wunsch von Haukur als Reitpferd für sein Wohlbefinden aufgegeben.

Darf ich mein altes Pferd noch reiten?

Bei mir hat sich seit der ersten Folge auch etwas verändert: Ich reite Julius inzwischen wieder mehr. Nicht, weil ich denke, dass er unbedingt gymnastiziert werden muss – sondern weil wir beide die gemeinsame Zeit im Sattel genießen. Der Anspruch hat sich verändert. Früher wollte ich möglichst gesund erhaltend arbeiten, alles „richtig“ machen, ihn körperlich fordern. Heute geht es mir vor allem darum, dass es uns beiden gut geht. Dass wir schöne Momente haben.

Daher sind aus unseren gemeinsamen Spaziergängen auch wieder mehr Ausritte geworden. Julius ist körperlich fit und zeigt grundsätzlich Motivation – vor allem, wenn er geritten wird. Trotzdem frage ich mich natürlich auch: Ist es in Ordnung, ihn zu reiten, wenn er sonst wenig im Training ist? Doch ich habe beschlossen, mich nicht zu sehr von den Zweifeln beunruhigen zu lassen, sondern unter Beobachtung seines Wohlbefindens unsere gemeinsame Zeit -natürlich im angepassten Rahmen- zu genießen. Denn niemand von uns weiß, wie lange wir diese geminsamen Momente noch haben.

Warum wir darüber sprechen wollen?

Wir haben diese Folge aufgenommen, weil Entscheidungen wie diese selten leichtfallen. Und weil sie nicht immer eine klare Lösung haben, aber trotzdem irgendeine Form von Leichtigkeit bringen.
Manchmal gibt es kein Happy End – zumindest nicht sofort. Und doch kann genau das die ehrlichste, pferdefreundlichste Entscheidung sein.

Es geht darum, den Druck rauszunehmen und für seine individuelle Situation eine Entscheidung für und mit dem Pferd zu treffen, die aber auch dich selbst nicht auffrisst.

Die erwähne erste Folge zum Thema

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#36 Greta Heine: Wenn das eigene Pferd zur Belastung wird

In dieser Folge ist Greta Heine zu Gast. Sie erzählt uns von ihrem Pferd Merlin, der sie bereits mehr als ihr halbes Leben begleitet. Doch diese Zeit war nicht immer nur rosig – durch seine lange Krankengeschichte und das zunehmende Alter wurde auch die Belastung immer größer. Was ihr geholfen hat, um aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen, erzählt sie uns in dieser Folge.

Als Pferdebesitzer*in trägt man eine immense Verantwortung. Der Wunsch, immer das Beste für das Pferd zu tun, kann unheimlich unter Druck setzen. Greta spricht offen über die Herausforderungen, die im Alltag mit einem älteren und kranken Pferd einhergehen. Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und die eigenen Grenzen zu erkennen und sich Unterstützung zu suchen. In ihrem Fall durch zwei Pflegebeteiligungen, die ihren Merlin genauso liebevoll versorgen, wie sie selbst.

Der Kampf mit den eigenen Erwartungen

Greta ist nicht „nur“ Pferdebesitzerin – sie ist auch Trainerin. Und genau das hat den inneren Druck noch einmal verstärkt. Denn nun steht sie nicht nur als Pferdebesitzerin im Stall, sondern auch als Trainerin mit vermeintlichem Vorbildstatus. Der Druck, „abzuliefern“, Inhalte für Social Media zu zeigen, Fortschritte zu machen – all das gehört jetzt auch dazu. Auch wenn dieser Druck oft nur im eigenen Kopf existiert, ist er real spürbar.

Lange hat Greta versucht, Merlin nach mehreren Operationen wieder reitbar zu bekommen. Weil sie das Gefühl hatte, es müssen zu müssen. Als Trainerin kein reitbares Pferd zu haben, fühlte sich an wie ein Scheitern. Doch sie konnte ihre Einstellung ändern und die Situation akzeptieren, Merlin muss nicht mehr reitbar werden Wäre sie nicht Trainerin, meint Greta, hätte sie diese Entscheidung vielleicht viel früher getroffen. Dann wäre es eben so gewesen. Aber mit der beruflichen Rolle kamen auch neue Erwartungen – von außen, aber vor allem von innen.

Offenheit über Herausforderungen

Greta betonte die Bedeutung, offen über die Schwierigkeiten zu sprechen, die mit der Pflege älterer und kranker Pferde verbunden sind. Der Austausch von Erfahrungen kann anderen Betroffenen helfen, sich weniger isoliert zu fühlen und ermutigt dazu, Lösungen zu finden, die sowohl dem Tier als auch dem Besitzer zugutekommen. In einer Gemeinschaft, die oft von Perfektionismus geprägt ist, ist es essenziell, Raum für Ehrlichkeit und Verständnis zu schaffen – für die Tiere, die wir lieben, und für uns selbst.​

Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir offen über solche Gedanken sprechen. Damit sich niemand allein fühlt mit dem Druck, den Zweifeln und der Angst, nicht zu genügen. Denn mal ehrlich: Diese Gefühle kennen wir doch alle. Gerade wenn man beruflich mit Pferden arbeitet, hat man das Gefühl, Erwartungen erfüllen zu müssen – von außen, aber vor allem auch von innen. Indem wir offener darüber sprechen, nimmt uns das allen die Last, die mit der Verantwortung für ein Pferd auch aufkommen kann, auch wenn wir sie sehr lieben.

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Die erwähnte Folge Adventskalender 2023
Die erwähnte Folge Adventskalender 2024
Die erwähnte Folge mit Melanie Sutor
Die erwähnte Folge zum Thema Doppelmoral

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#34 Woran erkennt man gute Trainer*innen auf einer Pferdemesse?

Auf der Equitana treffen sich alle zwei Jahre Pferdemenschen aller Art. Die Messe ist nicht nur ein Schaufenster für Shoppingbegeisterte, sondern auch eine Bühne, auf der Mensch und Pferd ihre Fähigkeiten präsentieren – oft mit beeindruckenden, manchmal aber auch fragwürdigen Momenten. Besonders spannend ist, was passiert, wenn nicht alles nach Plan läuft. Genau das haben wir uns in dieser Folge genauer angesehen.

Was passiert, wenn etwas nicht klappt?

Einer der schönsten Auftritte war für uns der von Jesse Drent. Was ihn besonders gemacht hat? Die Art, wie er mit unerwarteten Situationen umging. In seinem Auftritt lief nicht alles perfekt – aber genau das machte ihn so sympathisch. Er nahm es mit Humor, blieb die Ruhe selbst und zwang sein Pferd zu nichts und zeigte so eine echte Verbindung.

Das erinnerte uns an eine andere Person, die wir vor ein paar Jahren gesehen haben: Quentin Vaerman. Auch bei ihm klappte mal etwas nicht, doch anstatt Druck auszuüben, lachte er darüber und machte einfach das Beste aus der Situation. Diese Gelassenheit und der respektvolle Umgang mit seinen Pferden sind uns nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Für uns macht genau das den Unterschied: Ein guter Pferdemensch erkennt, wenn ein Pferd einen schlechten Tag hat oder gerade nicht versteht, was gefragt ist – und geht liebevoll darauf ein, anstatt es durchzusetzen.

Wenn der Druck zu groß wird.

Doch nicht alle auf der Equitana haben so reagiert. Wir haben auch Situationen gesehen, in denen Pferde sichtbar gestresst waren (was grundsätzlich in einer solchen Situation wie dieser großen Messe normal und in Ordnung ist) und trotzdem zum Funktionieren gebracht wurden.

Ein Beispiel war eine Vorführung, nach der wir am Ausgang standen und beobachten konnten, wie die Pferde die große Halle verließen. Alle hatten extrem angespannt ihre Bäuche eingezogen, die Gesichtsausdrücke wirkten extrem gestresst. Die Show mag für das Publikum spektakulär gewesen sein – aber hinter den Kulissen sah es anders aus.

Auch beobachtete Carina eine Szene, in der ein Pferd nach einer Vorführung zurechtgewiesen wurde. Die Art, wie es auf kleinste Bewegungen übermäßig stark reagierte, ließ darauf schließen, dass es diese Art der Korrektur bereits kannte.

Eine beeindruckende Persönlichkeit: Linda Tellington-Jones

Ein echtes Highlight der Equitana war für uns Linda Tellington-Jones. Mit fast 88 Jahren reist sie immer noch zur Messe, setzt sich auf fremde Pferde und reitet nur mit Halsring. Die Atmosphäre während ihrer Vorführung war eine völlig andere als in vielen anderen Ringen: kein Druck, kein Stress – stattdessen Geduld und Verständnis. Der große Publikumsandrang zeigte, dass viele Pferdemenschen genau das sehen wollen.

Unser Fazit: Wie Trainer mit Fehlern umgehen, zeigt ihr wahres Können

Eine gute Vorführung ist nicht die, in der alles reibungslos klappt – sondern die, in der Mensch und Pferd auch in unerwarteten Momenten entspannt bleiben. Die besten Trainer sind diejenigen, die in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren und mit Feingefühl reagieren!

Hier findest du die Trainer*innen, die wir in der Folge erwähnt haben:

Kleine Tante
Nina Schmitz, Pferdvertraut
Jesse Drent
Linda Tellington-Jones
Quentin Vaerman

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#32 Vermenschlichen wir unsere Pferde zu sehr?

Vermenschlichen wir unsere Pferde zu sehr? Das ist die Frage, der wir uns in dieser Folge stellen: Von persönlichen Erfahrungen übder die aktuelle Studienlage, wir diskutieren, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn wir unsere Pferde vermenschlichen.

Warum wir Pferde vermenschlichen

Vermenschlichung oder auch Anthropomorphismus, ist völlig natürlich. Wir neigen dazu, anderen Lebewesen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, um sie besser zu verstehen. Das kann ein Ausdruck von Empathie sein. Wir sprechen mit unseren Pferden, als wären sie menschliche Gesprächspartner und interpretieren ihr Verhalten oft durch eine menschliche Brille. Das klingt erst mal harmlos, kann jedoch zu Missverständnissen führen, wenn wir nicht erkennen, dass Pferde eine ganz andere Wahrnehmung und Bedürfnisse haben als wir. Auf der einen Seite hilft es, Pferde als Individuen wahrzunehmen und ihre emotionalen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Das ist ein großer Fortschritt im Vergleich zu früheren Zeiten, als Pferde oft nur als Nutztiere betrachtet wurden. Auf der anderen Seite kann eine zu starke Vermenschlichung dazu führen, dass wir ihre natürlichen Bedürfnisse übersehen – sei es in der Haltung, der Fütterung oder im Training.

Wie erkenne ich die Bedürfnisse meines Pferde?

Ich habe einen Kurs gestaltet, der sich rund um die Themen Bodenarbeit, Pferdekommunikation und Lernverhalten dreht. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei ein Theorieblock, in dem besprochen wird, welche Bedürfnisse Pferde haben und wie man diese erfüllen kann. Anschließend wird das Gelernte in der Praxis umgesetzt. Wir nutzen Übungen ohne Pferd, um ein besseres Verständnis für’s Pferd zu entwickeln. Diese Übungen führen oft zu Aha-Momenten, die später in der Arbeit mit dem eigenen Pferd weiter vertieft werden.

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Video der Animation von Heider und Simmel (1944): https://www.youtube.com/watch?v=VTNmLt7QX8E

Quellen:

Dalla Costa, E.; Minero, M.; Lebelt, D.; Stucke, D.; Canali, E.; Leach, M. C. (2014). Development of the Horse Grimace Scale (HGS) as a Pain Assessment Tool in Horses Undergoing Routine Castration. PLOS One. 9 (3). https://www.researchgate.net/publication/260950013_Development_of_the_Horse_Grimace_Scale_HGS_as_a_Pain_Assessment_Tool_in_Horses_Undergoing_Routine_Castration
Gille, C.; Holschen-Taubner, S.; Spiller, A. (2011). Neue Reitsportmotive jenseits des klassischen Turniersports. Sportwissenschaft. 41 (1). 34 – 43. https://www.researchgate.net/publication/225152449_Neue_Reitsportmotive_jenseits_des_klassischen_Turniersports
Heider, F.; Simmel, M. (1944). An experimental study of apparent behavior. American Journal of Psychology. 57. 243 – 259. https://www.jstor.org/stable/1416950?origin=crossref
Karlsson, F. (2012). Critical Anthropomorphism and Animal Ethics. Journal of Agricultural and Environmental Ethics. 25. 707 – 720. https://link.springer.com/article/10.1007/s10806-011-9349-8
Mota-Rojas, D.; Mariti, C.; Zdeinert, A.; Riggio, G.; Mora-Medina, P.; del Mar Reyes, A.; Gazzano, A.; Domínguez-Oliva, A.; Lezama-García, K.; José-Pérez, N.; Hernández-Ávalos, I. (2021). Anthropomorphism and Its Adverse Effects on the Distress and Welfare of Companion Animals. Animals. 11(11). https://doi.org/10.3390/ani11113263 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34827996/

#28 Teresa Koenings über ihren Weg mit ihrem Trauma-Pferd

Teresa, eine junge Frau aus Österreich, erzählt uns in dieser Folge von ihrer Reise mit ihrer traumatisierten Stute, aber auch ihren eigenen Hürden und wie die beiden sich gegenseitig Halt geben.

Teresa lebte mit Diagnosen wie Depression, Angststörung und Essstörung, doch ihre Pferde halfen ihr den Weg dort raus zu finden. Eine Stute, Feli, spielt dabei eine besondere Rolle. Feli selbst hatte traumatische Erlebnisse hinter sich und war unsicher und ängstlich. Teresa erkannte in den Schwierigkeiten des Pferdes eine Parallele zu ihren eigenen Emotionen. Auf dieser Basis entstand eine ganz besondere Verbindung. Der Weg war nicht leicht – Teresa verbrachte unzählige Stunden damit, einfach nur bei Feli zu sein und keine Erwartungen an sie zu haben. Über Jahre erarbeitete sich Teresa Felis Vertrauen und so gehen die beiden mittlerweile sogar ausreiten.

Teresa erkannte in Feli aber auch ihre eigenen psychischen Herausforderungen. Beide sind einfach nur voller Angst. Doch Teresa schafft es durch Feli umzudenken: Wenn das Pferd es schafft, Schritt für Schritt dort rauszufinden und ihre Angst zu überwinden, dann schafft Teresa es auch sich ihren Herausforderungen zu stellen. Außerdem gaben die Pferde ihr auch an besonders schweren Tagen die Notwendigkeit überhaupt erst aufzustehen und sich zu kümmern. Noch dazu ist Teresa mittlerweile selber als Trainerin aktiv und hilft anderen aus ihrer Angst.

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#26 Corina Trippe über ihren Weg aus der Angst

Corinas große Leidenschaft sind – wie bei uns allen – die Pferde. Doch als ihr Sohn auf die Welt kommt, ändert sich alles: Corina hat plötzlich Angst vor Pferden, ganz besonders vor dem Reiten. Wie sie es geschafft hat, dieser Angst zu begegnen und nun auch anderen als Trainerin dabei hilft, davon rzählt sie in dieser Folge.

Corina ist seit ihrer Kindheit von Pferden fasziniert. Diese Begeisterung verfolgte sie konsequent weiter und entschied sich später für ein Studium in Horse Business Management in den Niederlanden. Ihr beruflicher Weg führte sie über verschiedenste Stationen, bis sie schließlich vor kurzem den Traum der Selbstständigkeit als Pferdetrainerin verwirklichte. Ihre Arbeit konzentriert sich heute besonders auf Pferde im Reha-Bereich, wo sie sowohl an der körperlichen als auch an der psychischen Gesundheit der Tiere arbeitet. Dabei ist es ihr besonders wichtig, das Nervensystem von Mensch und Pferd zu verstehen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Plötzlich ist da Angst

Doch der Weg dorthin war nicht immer einfach. Nach der Geburt ihres Sohnes erlebte Corina eine unerwartete Veränderung: Sie entwickelte starke Ängste im Umgang mit Pferden, die sie vorher nie gekannt hatte. Auf ein Mal kommen ihr die Tränen, als sie auf ihr zwar junges, bisher aber immer sicheres eigenes Pferd steigen soll. Um diese Ängste zu bewältigen, entwickelte Corina ihre eigene Herangehensweise. Sie legte großen Wert auf Sicherheitsmaßnahmen, wie das Tragen von knöchelhohen Schuhen und Handschuhen, um das Risiko von Verletzungen zu minimieren. Ihre größte Unterstützung fand sie in ihrem Partner, der sie bei Spaziergängen begleitete und ihr emotionalen Halt gab. Diese Begleitung ermöglichte es ihr, kleine, aber bedeutende Fortschritte zu machen und langsam das Vertrauen zu ihren Pferden wieder aufzubauen.

Mit viel Geduld und kleinen Schritten näherte sich Corina ihrer Stute wieder an. Sie begann mit kurzen Spaziergängen und baute langsam das Vertrauen zu ihrem Pferd wieder auf. Dabei achtete sie stets darauf, in ihrem eigenen Tempo vorzugehen und die Situationen so zu gestalten, dass sowohl sie als auch ihr Pferd entspannt bleiben konnten. Diese Herangehensweise ermöglichte es ihr, negative Erfahrungen durch positive zu überschreiben und ihre Ängste schrittweise abzubauen. Außerdem suchte sie sich Unterstützung und ließ zunächst eine andere erfahrene Reiterin ihr Pferd reiten, um zu sehen, dass keine unerwarteten Gefahren drohten. Aber auch andere Strategien, wie zB Musik während des Reitens halfen ihr, den Alarmmodus ihres Nervensystems zu deaktivieren und sich auf das Reiten zu konzentrieren. Durch diese Methoden konnte sie nach und nach ihre innere Ruhe wiederfinden und das Reiten wieder genießen.

Gestärkt aus dieser Erfahrung?

Heute hat Corina ihre Selbstständigkeit voll aufgenommen und hilft dabei auch anderen ihre Ängste zu überwinden. Sie legt Wert darauf, sich selbst Zeit zu geben, die eigenen Bedürfnisse zu respektieren und auf die Sicherheit beider – Mensch und Pferd – zu achten. Ihre Erfahrung zeigt, dass es möglich ist, tiefsitzende Ängste zu überwinden und den Spaß wieder zu finden.

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#10 Lea über ihren Weg als Pferdeverhaltenstrainerin

In dieser Folge geht es um – mich! Hier kannst du mich also nun noch besser kennenlernen, meinen Werdegang verfolgen und erfahren, welche Pferde mich besonders geprägt haben. Es war eine spannende Erfahrung, meine Geschichte und die Lektionen, die ich auf meinem Weg gelernt habe, mit euch zu teilen.

Die Folge begann mit einer Frage, die mich zum Nachdenken brachte: Wie würde ich mich in drei Worten beschreiben? Empathisch, sensibel und weltoffen – das waren die Begriffe, die mir in den Sinn kamen. Diese Eigenschaften prägen nicht nur mich als Person, sondern sind auch essenziell für meine Arbeit mit Pferden. Im Bezug auf mich als Trainerin ist außerdem geduldig ein weiterer wichtiger Begriff.

Ich erzählte von meinen Anfängen und den zwei besonderen Pferden, die mich seit vielen Jahren begleiten: Julius und Butterblume. Julius ist seit zehn Jahren an meiner Seite, und in dieser Zeit hat er mir vieles beigebracht – vor allem Geduld und das Verständnis für die feinen Signale, die Pferde uns geben. Butterblume war fünf Jahre lang schon in der Kindheit mein Pflegepferd und meine große Pferdeliebe, bevor sie leider verstarb und mir bis heute unheimlich am Herzen liegt.

Mein Weg als Pferdevehaltenstrainerin

Ein weiteres zentrales Thema im Interview war meine Entscheidung, Pferdeverhaltenstrainerin zu werden. Ursprünglich wollte ich nie mit Pferden arbeiten, da ich schon früh die Herausforderungen und Schattenseiten dieses Berufs kennengelernt hatte. Doch irgendwann wurde mir klar, dass ich den Pferden eine Stimme geben wollte – besonders denjenigen, die oft missverstanden werden. Mein Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd zu verbessern und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Denn oft ist genau das der Schlüssel zu einer harmonischen Beziehung.

Ein besonders schöner Teil meiner Arbeit ist die Arbeit mit Kindern. Kinder sind oft sehr offen und neugierig, wenn es um Pferde geht. Sie sind bereit zu lernen und das macht die Arbeit mit ihnen so besonders. So entstand zB auch mein Kurs für Kinder, in denen sie lernen, die Körpersprache der Pferde zu verstehen und respektvoll mit ihnen umzugehen. Ich glaube, dass es wichtig ist, diese Sensibilität schon früh zu fördern.

Mein Rat an alle, die darüber nachdenken Trainer*in zu werden ist einfach: Fangt an und bleibt dabei. Lasst euch nicht von Ängsten aufhalten. Die Arbeit mit Pferden ist eine Reise, auf der man nie auslernt, und das macht sie so spannend. Man muss bereit sein, sich weiterzuentwickeln und auch mal neue Wege zu gehen, selbst wenn man nicht immer weiß, wohin sie führen. Genau so offen blicke ich auch auf meine eigene (berufliche) Zukunft.

Natürlich brauche auch ich meine Auszeiten. Spaziergänge sind für mich der beste Weg, um im Alltag runterzufahren und neue Energie zu tanken. Ob allein, mit Hund, Kamera oder mit einem Pferd – die Zeit in der Natur hilft mir, mich zu entspannen und mal richtig runterzufahren. Wenn ich einen Wunsch für die Pferdewelt äußern könnte, wären es diese beiden Worte: Hingucken und zuhören. Es ist so wichtig, die Bedürfnisse und Signale der Pferde wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

Ich hoffe, unser Podcast “Psycholohü” kann euch einen kleinen Einblick in diese faszinierende Welt geben. Die Verbindung zu Pferden ist mehr als nur ein Hobby – sie lehrt uns Geduld, Empathie und wie wichtig es ist, zuzuhören. Ich bin dankbar, diesen Weg gehen zu dürfen und freue mich darauf, weiterhin meine Erfahrungen mit euch zu teilen.

#20 Erfolgreich Verladen

In dieser Folge von Psycholohü sprechen wir über ein sehr wichtiges Thema: Verladetraining bei Pferden und die damit verbundenen Herausforderungen und Stressfaktoren.

Wir haben uns mit aktuellen Studien und Übersichtsarbeiten auseinandergesetzt, die die Gesundheit, das Wohlbefinden und das Verhalten von Pferden beim Verladen und Transportieren untersuchen. Dabei wird deutlich, dass viele Pferde beim Verladen und Transportieren unter Stress leiden. Dieser Stress zeigt sich unter anderem durch einen erhöhten Puls, gesteigerte Cortisol-Spiegel und veränderte Verhaltensmuster. Besonders die Bewegung des Anhängers, der Geräuschpegel und die Vorgehensweise beim Verladen tragen erheblich zu diesem Stress bei.

Denn: Verladetraining wir oft unter hohem Druck durchgeführt, was zusätzlichen Stress für die Pferde bedeutet. Die Studien zeigen, dass Pferde, die durch positive Verstärkung trainiert werden, weniger Stresssymptome aufweisen und schneller lernen, auf den Anhänger zu gehen. Viel häufiger beobachtet man in der Praxis jedoch Druck und negative Verstärkung, sowie den Einsatz von Longen oder gar Besen. Wichtig und effektiver ist jedoch regelmäßiges und ruhiges Training, um den Pferden die Angst und den Stress vor dem Verladen zu nehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Erwartungsmanagement der Menschen. Oft wird erwartet, dass das Pferd sofort auf den Anhänger geht, was zusätzlichen Druck und Stress erzeugt. Stattdessen sollte das Training in kleinen Schritten erfolgen. Es beginnt damit, dass das Pferd den Hänger nur sieht und sich ihm langsam nähert. Vorübungen wie das Gehen über verschiedene Untergründe oder durch Engstellen können das eigentliche Verladetraining erleichtern und sind essenziell für einen stressfreien Ablauf.

Carina und ich betonen zudem die Bedeutung von Ruhe und Geduld beim Verladetraining. Es kann hilfreich sein, wenn der Trainer das Pferd zunächst selbst verlädt, um den Menschen zu zeigen, dass es ohne Stress funktionieren kann. Dies nimmt den Menschen ebenfalls den Druck und hilft ihnen, ruhiger und gelassener an das Training heranzugehen. Die Sicherheit von Pferd und Mensch steht dabei immer an erster Stelle.

Wir sprechen auch über das Schließen der Stange und der Rampe beim Verladen, was besonders stressig und gefährlich für das Pferd sein kann. Es ist wichtig, auch diese Schritte zu üben. Hier kann ein Besen dann tatsächlich sinnvoll eingesetzt werden, um das Pferd an den Druck und die Bewegung der Stange zu gewöhnen, bevor es tatsächlich verladen wird.

Abschließend gibtes noch einen wertvollen Tipp aus der Studie: Das Fahren sollte nicht nur mit stressigen Ereignissen wie Turnieren oder Klinikbesuchen verbunden werden, sondern auch mit angenehmen Aktivitäten. Dadurch kann das Pferd positive Erfahrungen mit dem Verladen und Transportieren verknüpfen, was langfristig zu weniger Stress und Problemen führt.

Du möchtest das Verladen mit deinem Pferd in Ruhe üben? Dann kontaktiere mich hier!

Die genannten Studien aus der Folge:
Padalino, B. (2015). Effects of the different transport phases on equine health status, behavior, and welfare: A review. Journal of Veterinary Behavior-clinical Applications and Research. DOI:10.1016/J.JVEB.2015.02.002